Der Unfall von Tempo de Paban hätte nicht passieren dürfen

Olivier Robert mit Tempo de Paban
Credit : Scoopdyga (Archiv)

Dienstag 03 Dezember - 08h19 | Sebastien Roullier / Stephanie Sieckmann

Der Unfall von Tempo de Paban hätte nicht passieren dürfen

Olivier Robert ist in großer Sorge um sein Spitzenpferd Tempo de Paban. Der Wallach hat sich beim Warm Up in Prag einen Sehnenschaden zugezogen, der nach aktuellem Stand der Dinge wahrscheinlich zum vorzeitigen Karriere-Ende des Jarnac-Sohns führen wird. Der Unfall, so vermutet der Reiter, ist aufgrund der Bodenverhältnisse so schlimm ausgegangen. Denn die Bodenverhältnisse in der O2-Arena von Prag ließen am ersten Tag zu wünschen übrig und wurden von den Reitern bemängelt.

Ob der Unfall von Tempo de Paban tatsächlich aufgrund der Bodenverhältnisse passiert ist, lässt sich nicht nachvollziehen. Doch wenn es stimmt, was Springreiter Olivier Robert in Übereinstimmung mit einigen anderen Reitern äußert, haben die Bodenverhältnisse bei den Play-Offs der Global Champions League und Global Champions Tour in Prag tatsächlich dazu beigetragen, dass der Sehnenschaden, den sich der 12-jährige Tempo de Paban zugezogen hat, so gravierend ist. 

Der Unfall ereignete sich am Mittwoch beim Warm-Up der Global Champions League in Prag. Kurz nach 16:30 Uhr reitet Olivier Robert mit Tempo de Paban (Jarnac x ​​Quatar de Plape) den Warm-Up Parcours  des CSI 5 * Prague. Parcoursbauer Uliano Vezzani hatte acht Hindernisse aufgebaut. "Wir stellten fest, dass der Boden nicht sehr gut war, aber es war nicht so schlimm, dass unsere Pferde diese kleinen Hindernisse (auf 1,45 m hochgezogen) nicht hätten springen können. Und wir sind zu Beginn gestartet, also gab es keine Rückmeldungen anderer Reiter ..." erinnert sich Olivier Robert.

Der 12-jährige Tempo de Paban kommt nach einem Sprung unglücklich auf. Der Veterinär wird geholt, der Wallach wird mit der Pferde-Ambulanz hinausgefahren. "Es gab eine Stelle von ungefähr dreißig mal zwanzig Zentimetern ohne Sand, also sind wir mehr oder weniger auf Beton gelandet ... Außerdem wissen wir,  mit wie viel Tempo wir im Parcours unterwegs sind. Die Diagnose war nicht sofort gestellt, weil viel Blut vorhanden war, aber wir stellten schnell fest, dass es sehr ernst sein würde ... "

Olivier Robert ist zutiefst betrübt darüber, dass sein Pferd sich bei dieser unglücklichen Landung einen Sehnenabriss zugezogen hat. Ein Unfall wie der von Tempo de Paban hätte auf diesem Niveau niemals passieren dürfen. Für den Fuchs sieht es aktuell sehr ernst aus. Die Sport-Karriere des Pferdes ist nach Aussage von Olivier Robert definitiv beendet. Im letzten Jahr war das Paar Fünfter des Grand Prix CSI 5 * beim Saut Hermès und CSI 5*-W von A Coruña war. "Es ist ein echter Schlag. Er wurde immer besser. Wir hatten die Weltcup-Saison mit zwei Platzierungen in Oslo (4. Platz) und Helsinki (16. Platz) begonnen. Und wir hatten das Ziel, dass er nach seiner schönen und vielversprechenden Leistung in Göteborg im vergangenen Frühjahr ein zweites Weltcup-Finale gehen sollte. "

 

Am Abend veröffentlichten die Organisatoren der Veranstaltung eine Erklärung, die mit diesem Satz endet, der sich offen gesagt schlecht anhört, zumal sich auch andere Pferde mehr oder weniger ernsthaft verletzt hatten: "Heute Nachmittag gab es ein Warm-up für die internationalen Teilnehmer, bei dem die Pferde die Möglichkeit hatten, ihre Muskeln erstmals auf der Strecke spielen zu lassen."

Die O2 Arena in Prag ist eine hervorragende Location für eine Sport-Veranstaltung. Der Respekt für das Wohlergehen der Pferde hätte jedoch Vorrang vor jeder anderen Perspektive haben müssen, und dies war nicht der Fall. Ungeachtet des Wettbewerbsniveaus ist es ein schwerwiegender Fehler, aber der wiegt umso schwerer, als es sich bei den Play-Offs um eine Veranstaltung handelt, die mehr als 11 Millionen Euro Preis verteilt.

Der Unfall von Tempo de Paban ist das Ergebnis einer Nachlässigkeit der Organisatoren, namentlich des Czech Equestrian Team, das von Jan Andrlík geleitet wird und höchstwahrscheinlich dem Milliardär Petr Kellner gehört. Das tschechische Unternehmen arbeitet mit Tops Equestrian Events BV zusammen, einem Unternehmen unter der Kontrolle von Jan Tops, der anscheinend Himmel und Erde bewegt hatte, um die Bodenqualität während der Veranstaltung zu verbessern. "Jan hat nichts damit zu tun, aber es hat ihm offensichtlich leid getan, wie vielen Leuten, die gesehen haben, was passiert ist ...", sagt Olivier Robert. "Es hätte nicht passieren dürfen. Und wenn ich das sehe, sage ich mir, dass wir in Frankreich sehr glücklich sind, auf die Professionalität unserer Bodenspezialisten zählen zu können ... "
 
Im Zusammenhang mit der Bodenqualität hat Grand Prix versucht mit Parcoursdesigner Ulliano Vezzani Kontakt aufzunehmen. Doch der Italiener hat bislang ebenso wenig auf die Anfrage reagiert wie Stephan Ellenbruch, der Präsidenten der Jury und zugleich Präsident der Springkommission der FEI.

Tempo de Paban, der bis letzten Montag vor Ort in Prag war, ist inzwischen in den Stall von Olivier Robert zurückgekehrt. "Er reiste auf allen vier Beinen. Jetzt werden wir ihn pflegen und etwas ausprobieren, das mir von Mitreitern empfohlen wurde. Die Erfolgsaussichten im Hinblick auf eine Rückkehr zum Sport sind so unendlich gering, dass ich es vorziehe, keine unnützen Hoffnungen zu wecken. Es ist traurig, denn wir hatten eine großartige Zeit im Parcours und Tempo ist wirklich ein Pferd mit Herz, aber zumindest habe ich ihn nicht verloren ", schließt Olivier Robert. 

 

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