Wie gesund ist Cosmo wirklich?

Credit : Scoopdyga (Archiv)

Mittwoch 31 Juli - 21h05 | Stephanie Sieckmann

Wie gesund ist Cosmo wirklich?

Eine Klage, die Gonnelien Rothenberger gegen das Tierärztliche Kompetenzzentrum Karthaus GmbH in Dülmen eingereicht hat, sorgt aktuell für Gesprächsstoff. Dabei geht es um Behandlungen mit dem Mittel Tildren, das Cosmo in den letzten Jahren mehrfach durch eine Tierärztin verabreicht wurde. Für das Mittel sind als Nebenwirkungen Koliken und Nierenprobleme aufgeführt. In der Klage fordert Rothenberger nun acht Millionen Euro Schadenersatz. 

Die meisten Medikamente haben Nebenwirkungen. Sie sind im Beipackzettel aufgeführt und daher von jedem nachzulesen. Pferdebesitzer, die einen Tierarzt rufen, weil das Pferd ein Problem hat, erwarten dass dies bestmöglich behandelt wird. Pferdebesitzer vertrauen ihrem Arzt, und vertrauen darauf, dass der Arzt zum Wohl des Pferdes entscheidet. Nebenwirkungen können aber auch Tiermediziner nicht immer verhindern.
Dieser Zusammenhang scheint nun im Fall von Cosmo, Sönke Rothenbergers Dressur-Spitzenpferd, eine Rolle zu spielen. Gonnelien Rothenberger hat im Januar Zivilklage gegen das das Tierärztliche Kompetenzzentrum Karthaus GmbH in Dülmen eingereicht, wie mehrere deutsche und ausländische Medien berichten. Der Grund: sie befürchtet, dass Cosmo Schaden genommen hat durch die Behandlung mit Tildrin, einem Medikament, dass unter anderem bei Knochenzysten und Hufrollenentzündung eingesetzt wird.
Das Mittel fällt in den Bereich verbotene Medikation und darf daher nur in Wettkampfpausen verabreicht werden. Offenbar ist Cosmo mit dem Medikament in den letzten Jahren wiederkehrend behandelt worden. Da stellt sich die Frage, wie gesund und belastbar Cosmo wirklich ist. Seine seltenen Einsätze, die schon zu mancher Spekulation geführt haben, wären jedoch damit zu erklären, dass die Turnierpausen aufgrund der mehrfachen Behandlungen eingehalten werden mussten.

Nebenwirkungen sind keine Frage des Preises. Auch teure Medikamente und Behandlungen, die gegen eine Erkrankungsbild helfen, können Nebenwirkungen haben. In wieweit Cosmo durch das ihm verabreichte Tildrin nun andere gesundheitliche Probleme bekommen hat, isteht zurzeit noch nicht fest. Doch es steht die Frage im Raum, wie fit und leistungsstark Cosmo wäre, wenn er nicht mit Tildrin behandelt worden. 

Am 30. Juli 2019 hat das US-Amerikanische Magazin www.dressage-news.com einen Artikel betreffend des Kaderpferdes Cosmo von Dressurreiter Sönke Rothenberger veröffentlicht. Im Interview mit FN-Aktuell ordnet Dr. Dennis Peiler, Geschäftsführer des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei (DOKR), Inhalte des Artikels ein.

FN-Aktuell: Der Artikel wirft Fragen über den Gesundheitszustand des Pferdes Cosmo auf. Spielen diese für eine mögliche Nominierung zu den Europameisterschaften eine Rolle?

Dr. Dennis Peiler: Wir nehmen nur Pferde mit zum Championat, von denen wir zum Nominierungszeitpunkt davon überzeugt sind, dass sie gesundheitlich in der Lage sind das Championat erfolgreich zu bestreiten. Die Pferde müssen ihre Belastbarkeit unter Beweis gestellt haben. Das gilt auch für Cosmo, der in Hagen (Ergebnis Grand Prix 81.239%/Grand Prix Special 79.638%) und Aachen (Ergebnis Grand Prix 81.370%/Grand Prix Special 82.213%) erfolgreich war. In Balve musste er aufgrund einer Kolik zurückgezogen werden.

FN-Aktuell: Ist es richtig, wie der Artikel suggeriert, dass der Reiter Sönke Rothenberger den Verband nicht vollumfänglich über den Gesundheitszustand von Cosmo informiert hat?

Dr. Dennis Peiler: Es ist richtig, dass es Fragen in Bezug auf die Transparenz gegenüber dem Verband gab. Deshalb hat sich der Exekutivausschuss des DOKR mit dieser Sache beschäftigt. Das DOKR hat umfangreiche, ihm vorliegende Unterlagen sorgfältig geprüft sowie Reiter und Pferdebesitzer befragt und die Expertise des Mannschaftstierarztes eingeholt. Wie im Artikel beschrieben, ist die FN nicht an dem Gerichtsverfahren zwischen der Familie Rothenberger und der Tierklinik beteiligt. Das Verfahren spielt deshalb bei der Nominierung keine Rolle.

FN-Aktuell: Zu welchem Ergebnis ist der Exekutivausschuss gekommen?

Dr. Dennis Peiler: Der Exekutivausschuss hat auf dieser Basis keine Einwände gegen eine mögliche Nominierung des Paares. Er hat dem Reiter jedoch Auflagen gemacht, die dieser schriftlich akzeptiert hat. Mit diesen Auflagen soll eine bestmögliche Transparenz im Management des Pferdes in Richtung der Olympischen Spiele 2020 in Tokio sichergestellt werden.

Quelle FN Press

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