Wenn die Verhandlungen mit der FN scheitern, will Daniel Deußer für Belgien reiten

Falls die Verhandlungen scheitern, hat Daniel Deußer am Sonntag in Bordeaux seinen letzten Sieg für Deutschland geholt.
Credit : Scoopdyga (Archiv)

Montag 11 Februar - 20h40 | Sébastien Roullier

Wenn die Verhandlungen mit der FN scheitern, will Daniel Deußer für Belgien reiten

Scheitern in den nächsten Wochen die Verhandlungen mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN), plant Daniel Deußer unter belgischer Flagge zu reiten. Wie sein Landsmann Christian Ahlmann hat sich Daniel Deusser seit den Olympischen Spielen in Rio im August 2016 nicht mehr mit der roten Jacke der deutschen Mannschaft gezeigt. Eine Vereinbarung, die von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) seit 2017 als notwendig erachtet wird und von der FN und den Athleten unterschrieben werden muss, wird von beiden Championatsreitern als zu restriktiv erachtet. Seit 2012 im Stall des belgischen Unternehmers Stephan Conter angestellt und mit der Belgierin Caroline Wauters verheiratet, wird die ehemalige Nummer eins der Weltrangliste nach Belgien wechseln, wenn innerhalb der nächsten Wochen keine Einigung mit der FN getroffen wird.

Anlässlich der Pressekonferenz des Longines World Cup Grand Prix von Bordeaux, die er am Samstagabend im Sattel von Tobago Z gewonnen hatte, stimmte Daniel Deusser zu, mit GrandPrix Magazine über seine sportliche Zukunft zu sprechen und zum Streit mit der FN Stellung zu nehmen. Der Konflikt stammt aus dem Jahr 2017 und erklärt, warum Daniel Deußer und Christian Ahlmann seit Ende der Saison 2016 nicht mehr in der berühmten roten Jacke als Teil einer deutschen Mannschaft angetreten sind. Auf die einfache und direkte Frage, die GRANDPRIX in der Öffentlichkeit gestellt hat - "Werden wir Sie in diesem Jahr wieder in einer deutschen mannschaft sehen?" antwortete die ehemalige Nummer eins der Welt:" Wir hatten in letzter Zeit gute Gespräche. Ich denke, eine Entscheidung sollte innerhalb weniger Wochen getroffen werden."
 
In der Hoffnung auf eine Einigung mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung unter dem Vorsitz von Breido Graf zu Rantzau und unter der Leitung von Sönke Lauterbach, hat der Gewinner des Weltcup-Finales 2014 in Lyon, zweifacher Mannschafts-Silber-Medaillengewinner bei der Europameisterschaft, 2013 in Herning und 2015 in Aachen, und der Bronzemedaillengewinner der letzten Olympischen Spiele in Rio hat bereits überlegt was er tun kann, sollten die Verhandlungen doch fehlschlagen. In diesem Fall wird er das deutsche Kapitel seiner erfolgreichen Karriere schließen, um unter den Farben Belgiens ein weiteres zu eröffnen. Eine Nachricht wie ein Erdbeben. "Die beste Lösung wäre für mich natürlich, dass die laufenden Diskussionen ein positives Ergebnis finden und ich wieder im deutschen Team mitreiten kann, dem ich mich sehr verbunden fühle. Sollte eine Einigung nicht möglich sein, ja, dann werde ich für belgien reiten. Ich bin ja schon halb belgier: Ich lebe seit mehreren Jahren in diesem Land, meine Frau (Caroline, Tochter des verstorbenen Springreiters Eric Wauters, Anmkg d. Red.) und meine Tochter sind Belgier sowie Stephan Conter, mein Chef und Besitzer meiner Pferde. Das würde für mich Sinn machen."

Diese Vereinbarung enthält Risiken, die ich nicht unterschreiben möchte
Untrennbar mit Air Jordan, Cornet d'Amour und First Class van Eeckelghem, aber auch mit Evita van de Veldbalie, Equita van't Zorgvliet, Espyrante und kürzlich mit Cornet 39, Calisto Blue und Tobago Z erfolgreich, war Daniel Deußer nie mit dieser Einschränkung zufrieden. "Auch wenn es mir Freiraum gab und mir erlaubt hat, mich freier zu entwickeln, bricht es mir das Herz, nicht Teil der Nationalmannschaft zu sein, weil ich die Nationenpreise und die Meisterschaften mag. Ich habe mich für das deutsche Team nicht für unverzichtbar gehalten, das hat es bei den Tryon World Equestrian Games bewiesen (das Team gewann Bronze, ehe Simone Blum mit DSP Gold gewann Alice), aber für diese großartigen Ereignisse brenne ich, genauso wie Stephan Conter, der mir weiterhin Pferde unter dem Sattel sichert, damit ich auf höchstem Niveau reiten kann. Letztes Jahr hätte ich durchaus mit ein oder zwei Pferden an Nationenpreisen teilnehmen können ... aber der von unserer Föderation auferlegte Vertrag birgt Risiken, die ich nicht befürworten möchte, weil die Reiter der andere große Nationen nicht denselben Einschränkungen unterliegen."
 
Seit Beginn dieser Verhandlugnen hatten Daniel Deusser und Christian Ahlmann, die in Bezug auf die Dopingfälle, die ihr Image in der Vergangenheit getrübt haben, nie wirklich den Inhalt des Problems erwähnten, Stillschweigen darüber bewahrt, warum dieser berüchtigte Vertrag ihnen so ungerecht erscheint. In Bordeaux hat der groß gewachsene 37-Jährige zugestimmt, seine Gründe anzugeben. "Wir haben anfangs viel über das Verbot von Reitern gesprochen, sich im Falle von Doping gegen die Föderation zu wenden und möglicherweise eine Öffentliche Gerichtsbarkeit in Anspruch zu nehmen. Dies ist jedoch nicht das einzige Problem. Mit diesem Vertrag müssen Reiter und Pferde Kontrollen durchlaufen, Dopingkontrollen außerhalb der Wettkämpfe.  An sich kein Problem. Warum nicht. Aber in diesem Fall zwingt es uns dazu, die Föderation neunzig Tage im Voraus über alle unsere Fahrten und Maßnahmen zu informieren ... was wirklich nicht mit dem Leben eines professionellen Reiters vereinbar ist. Darüber hinaus muss der Verband über alle zu Hause verabreichten Substanzen kontrollierter Medikation (das betrifft die Menschen wie die Pferde) informiert werden. Ich denke jedoch nicht, dass es eine gute Idee ist, für die eventuelle Vergesslichkeit eines Tierarztes verantwortlich zu sein, der ein rekonvaleszentes Pferd behandelt und vergisst, einen bestimmten Stoff in einem Folgedokument festzuhalten.
Die Krönung des Ganzen ist, dass es keine festgelegten Sanktionen für Verstöße gegen diese Regeln gibt. Es wird einfach gesagt, dass derjenige, der sich etwas zu Schulden kommen lässt, ein paar hundert Euro Geldstrafe bis zu einer Sperre von zwei Jahren als Strafe erhalten kann. Das ist zu viel Spielraum für eine Sport-Gerichtsbarkeit ... Es erscheint mir einleuchtender, die Vergehen und Strafen zu kategorisieren. Bisher hat kein anderer Nationalverband dies seinen Fahrern auferlegt. Und ich verstehe nicht, wie meine deutschen Teammitglieder das akzeptieren könnten."

"Die Regeln müssen für alle gleich sein, aber sie müssen auch fair und klar sein, was hier nicht der Fall ist ", beharrt Daniel Deusser.
Wird Otto Becker, Bundestrainer einer Mannschaft, die aktuell nur drei Reiter in ihrem Elite-Kader vorweisen kann (Simone Blum, Marcus Ehning und Maurice Tebbel) es schaffen, die Gesprächspartner zu einer Einigung zu führen und damit einen Nationalitäten-Wechsel von beispielloser Bedeutung in der Geschichte des deutschen Springsports zu verhindern? Dies ist die große Herausforderung der nächsten Wochen. Wie Christian Ahlmann sich verhält, wird ebenfalls aufmerksam verfolgt. Obwohl er immer noch in Deutschland lebt und regelmäßig Pferde von seiner deutschen Schirmherrin Marion Jauss reitet, ist auch er Belgien stark verbunden. Nicht zuletzt durch seine starke Partnerschaft mit dem Gestüt Zangersheide und sein Privatleben, das er seit vielen Jahren mit der Belgierin Judy-Ann Melchior teilt, die Eigentümerin und Chefin von Zangersheide ist.

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